Karriere: Selbsteinsch?tzung im Job

5 Fragen, mit denen Frauen lernen, sich selbst richtig einzusch?tzen

von Susanne Pahler
Kreativ, vernetzt, voller Know-how, sozial kompetent: Was heute im Job verlangt wird, ist weit mehr als Fachwissen. Doch wie lernt man, sich realistisch einzuscha?tzen? Das verraten unsere Experten. Au?erdem: Warum Privates preiszugeben Ihnen bald zu ihrem Traumjob verhilft

Die Gehaltsverhandlung steht an. Oder ein Vorstellungsgespra?ch. Oder man sieht die Stellenausschreibung eines Jobs, den man schon immer wollte. Und plo?tzlich ist sie da, die bohrende Frage: Wie gut bin ich wirklich? Reichen meine Fa?higkeiten fu?r das, was ich mir ertra?umt habe? 

Es ist kompliziert geworden, sich realistisch einzuscha?tzen. Gerade jetzt, da die Digitalisierung so viele Wirtschaftsbereiche umkrempelt, fragen sich viele: "Ist das, was ich heute kann, morgen noch relevant und richtig?" Fakt ist: Fachwissen und Flei?, zwei Eigenschaften, auf denen man fru?her eine Spitzenkarriere aufbauen konnte, reichen heute nicht mehr. Kreativita?t ist gefragt, Flexibilita?t, Schnelligkeit, Anpassungsfa?higkeit, Wissbegierde, Pra?sentationsfa?higkeit – um nur einige zu nennen.

So anstrengend dieser gestiegene Anspruch klingt, so aufregend fu?hlt er sich auf der anderen Seite an. Denn wer anpackt und sich ausprobiert, erfa?hrt eine Menge u?ber sich selbst. Und hat auf Dauer viel mehr Spa?, als wenn er den gleichen Stift 20 Jahre von links nach rechts schiebt. Dass die sogenannten Soft Skills, also Fa?higkeiten wie Empathie, Belastbarkeit, Energie und die Gabe, ungewo?hnliche Lo?sungen zu finden, dabei wichtig sind, hat sich schon la?nger herumgesprochen. Auch, dass Frauen auf diesem Sektor besonders punkten. Neu ist, dass Soft Skills nicht la?nger nur als hu?bsches (softes!) Sahneha?ubchen gelten, sondern wesentliche Grundlage fu?r den Weg nach oben sind. Mit einzelnen Sta?rken ko?nnen dabei auch Defizite auf anderen Gebieten ausgeglichen werden. "Soft Skills sind individuell sehr verschieden ausgepra?gt und au?erdem nicht leicht messbar", wei? Prof. Dr. Astrid Schu?tz, Coach und Perso?nlichkeitspsychologin an der Uni Bamberg – und ra?t zu entspanntem Selbstbewusstsein.

Bleibt dennoch die Frage, wie weit man sich nach vorn wagen soll im Job-Alltag. Ganz einfach: Wenn es einen bei der Projektplanung in den Fingern juckt, weil man dieses neue Thema wirklich gern betreuen will: zugreifen! Und wenn der Chef "Ja, machen Sie das!" sagt, du?rfen die inneren Zweifler ("Bin ich dafu?r u?berhaupt gut genug? Fehlen mir nicht Know-how, Erfahrung, Autorita?t?") ruhig mal die Klappe halten.

Die eigenen Fa?higkeiten zu niedrig anzusetzen, zu wenig selbstbewusst aufzutreten, darin bestand ohnehin lange das Problem fu?r Frauen. "Es fa?llt ihnen oft schwerer, sich positiv einzuscha?tzen, gerade wenn ihnen in der Kindheit eingepra?gt wurde, vor allem brav und bescheiden zu sein", sagt die Psychologin. Aber daran kann man arbeiten! Wenn wir uns gegenseitig zum Beispiel nicht mehr mit einem schnellen Kompliment abspeisen ("Toller Vortrag!"), sondern uns lieber Zeit fu?r ein fundiertes Feedback nehmen. Wenn wir nicht mailen, sondern ins Bu?ro nebenan gehen oder uns bei einem Kaffee zusammensetzen. "Dadurch bekommt man mehr U?bung in sachlichen Diskussionen. Das macht es leichter, ehrliches und kritisches Feedback zu geben, hilft, sich besser einzuscha?tzen und letztlich zu erkennen, wo man sich noch verbessern kann", erkla?rt Prof. Schu?tz. Falls Ihr Job-Ego noch einen Booster vertragen kann: Diese fu?nf Fragen (und Antworten!) zeigen, was uns voranbringt. 

Frage #1: Wofu?r schla?gt Ihr Herz? 

"Man kann nur richtig gute Arbeit machen, wenn man liebt, was man tut", hat Apple-Gru?nder Steve Jobs einmal gesagt. Wie er herausfand, dass sein Herz am lautesten fu?r Technologie und Design schla?gt, wissen wir nicht – aber wie man seine eigenen Vorlieben, ergo Sta?rken, entdeckt, durchaus. Klare Zeichen sind zum Beispiel Flow-Zusta?nde, in denen man nicht viel denkt, sondern nur macht, und das sehr effizient: "Fa?llt einem etwas Anspruchsvolles leicht, hei?t das na?mlich nicht, dass es leicht ist, sondern dass man darin besonders gut ist", sagt Andrea Och, Karrierecoach und Autorin aus Hamburg ("Lust auf Macht", Linde,  andrea-och.com). Wer etwa die Zeit vergisst, wa?hrend er im Labor Versuche durchfu?hrt, ist Forschungs-Queen. Wer sich gerne in Brainstorming-Runden verausgabt, Ideenspinner.

Ein realistisches Gespu?r dafu?r, welche Erfolge tatsa?chlich auf dem eige-nen Mist gewachsen sind, schafft auch ein knappes Tagebuch: einfach jeden Feierabend eintragen, was heute gut lief. Dabei darf man sich ruhig mal schrift-lich auf die Schulter klop-fen. Wie wa?r's mit: "Echt jetzt, du bist mega!" Auch Vorbilder helfen. Fragen Sie sich: Wen finde ich wirklich toll, was ko?nnen die, wie sind sie? "Oft sind das Hinweise darauf, dass etwas in einem angelegt, nur vielleicht noch nicht ausreichend entwickelt ist", sagt Andrea Och. Auch Freunde, nette Kol-legen und wohlmeinende Vorgesetzte sind eine Ins-pirationsquelle, sie ko?n-nen oft ad hoc mindestens drei Ihrer Sta?rken nen-nen. Ganz deutlich wird das mit einem Selbstbild-Fremdbild--Abgleich. Das ist ein Fragebogen voller Charaktereigenschaften, auf dem man die eigene Einscha?tzung mit dem schriftlichen Feedback der anderen vergleicht (eine Anleitung und das PDF- Download gibt's auf  gla-mour.de/selbstbild). Das ist Honig fu?r die Job--Seele. 

Frage #2: Wo wollen Sie hin? 

"Teamfa?hig, empathisch, kommunikativ sein: alles tolle Soft Skills, die ohne Frage wichtig sind", sagt Andrea Och. "Darauf al-lein begru?ndet sich aber kein beruflicher Aufstieg. Ihre Karriere starten Sie wesentlich effektiver mit Ihrem konkreten perso?n-lichen Ziel!" Um heraus-zufinden, was Erfolg be-deutet – fu?r einen selbst, ohne Einfluss und Erwar-tungen von Freunden, Kollegen, Eltern –, geht man in aller Ruhe und schriftlich ins Detail: Was wollen Sie errei-chen? Ganz genau bitte. Das Ziel (oder mehrere) knapp, konkret und po-sitiv formulieren, etwa "Ich werde der Social--Media--Profi der Abtei-lung". Warum? Welche Bedu?rfnisse erfu?llt das? Was ist no?tig, um das zu erreichen? Bis wann ist es machbar? "Planen Sie kleine Schritte, um dem na?her zu kommen", emp-fiehlt die Expertin. 

Frage #3: Was haben Ihre Kollegen (auch nicht) drauf? 

"Ziehen Sie unbedingt auch bei den anderen Bilanz", empfiehlt Prof. Schu?tz. Niemand kann alles – und alle kochen nur mit Was-ser. Statt sich also in unsicheren Momenten selbst kleiner zu machen als man ist, unbedingt fair und realistisch bleiben, auch den konkurrierenden Kollegen gegenu?ber. Wer zum Beispiel bei der in-ternen Bewerbung um ei-nen ho?heren Posten an sich zweifelt, kann sich vor Augen fu?hren: Nur weil der Mu?ller Chefs Liebling ist, hei?t das nicht, dass er tatsa?chlich alles eins a beherrscht. Und klar hat die Schmidt tolle Leader-Qualita?ten, dafu?r ist man selbst viel-leicht organisierter, kreati-ver – und wa?re damit auch die bessere Besetzung. 

Frage #4: Was mo?chten Sie noch lernen? 

"Die Leistung von Com-putern verdoppelt sich alle 18 Monate. Dadurch vermehrt sich auch unser Wissen auf allen Gebie-ten dramatisch in immer ku?rzeren Absta?nden", sagt Andrea Och. Umso wich-tiger ist es, auf dem Laufenden zu bleiben. Oft genu?gen dafu?r schon Klei-nigkeiten: Sie merken, dass Sie bei englischen Tele-fonkonferenzen manches nicht kapieren? Business- Englisch an der VHS bu-chen! Eine Kollegin hat Fachwissen, das Sie auch gerne ha?tten? Sie fragen, woher sie das alles wei?, Fachbu?cher lesen und entsprechende Magazine abonnieren.

Noch besser: Weiterbildung u?ber die Firma nutzen. Drei Vier-tel der deutschen Unter-nehmen haben das ihren Mitarbeitern laut Statis-tischem Bundesamt 2010 angeboten. 2012 bekamen gut 168000 Menschen entsprechende Zuschu?s-se oder Darlehen, im Schnitt rund 3200 Euro pro Mitarbeiter. Um 2015 dazuzugeho?ren: dem Chef erkla?ren, was es ihm und der Abteilung bringt, wenn Sie u?ber den Teller-rand gucken. Ihm im An-schluss interne Seminare anbieten und damit auch die Leistung der Kollegen verbessern. Klarmachen, dass die Fo?rderung nach au?en gut wirkt und an-dere High Potentials an- zieht. Um Loyalita?t zu be-weisen, sich vertraglich weiter ans Unternehmen binden, Richtwert: ein halbes Jahr pro Weiter-bildungsmonat. Der Chef ist trotzdem knauserig? Vielleicht la?sst sich das Finanzielle mit staatlicher Fo?rderung ausgleichen, et-wa durch die Bildungs-pra?mie ( bildungspraemie.info) oder einem Sti-pendium der Stiftung Begabtenfo?rderung be-rufliche Bildung ( sbb--stipendien.de). 

Frage #5: Wer sind Ihre Wissens-Assistenten? 

Selbst wer hervorragendes Handwerkszeug mitbringt: Alles allein stemmen geht nicht. Auch ein erfolgsverwo?hnter Star wie Rennfahrer Mika Ha?kkinen wei?: "Du gewinnst nie allein. Am Tag, an dem du etwas anderes glaubst, fa?ngst du an zu verlieren." Einzelka?mpfer sind selten erfolgreich, dafu?r ist die Job-Welt zu komplex geworden. "Auch erfolgreiche Menschen in Spitzenpositionen sind keine Universalgenies. Sie konzentrieren sich auf ihre Sta?rken und umgeben sich mit Menschen, die ihre Schwa?chen ausgleichen und ihren Blick weiten", erkla?rt Andrea Och. Das hei?t natu?rlich nicht, sich auf den eigenen Schwa?chen auszuruhen und die anderen machen zu lassen, sondern mit Unterstu?tzung das beste Ergebnis abzuliefern. Geht u?brigens auch unternehmens- und fach-u?bergreifend, etwa so: Bitten Sie einen Experten der Uni darum, ein Vorhaben zu bewerten, und bieten Sie im Gegenzug Hilfe an, die er brauchen kann. Oder lassen Sie sich das Projekt-Dokument von Kollegin Meier formatieren, wenn Sie selbst dafu?r zu lange bra?uchten, und greifen Sie ihr dafu?r beim na?chsten Konzept unter die Arme. 

In unserer  GLAMOUR #Girlboss-Serie finden Sie ab sofort regelm??ige Tipps zum Thema Karriere sowie Interviews mit inspirierenden Frauen. Der Name "Girlboss" ist angelehnt an das gleichnamige Buch von Sophia Amoruso, die gegen alle Widerst?nde mit "Nasty Gal" ihren eigenen Onlineshop gründete. Sie ist das Sinnbild für eine Frau, die ihr eigenes Ding macht und trotz aller Niederlagen immer wieder aufsteht.  Hier geht es zu allen Folgen der Serie.

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