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Kolumne: Breathless

Warum Dating nicht funktioniert, wenn man noch am Ex h?ngt

Beziehung, Paar, anhänglich
"Gut leben ist immer noch die beste Rache, schrieb ich auf ein Post-it, das ich neben meinem Bett an die Wand h?ngte und zwanzig Minuten lang fixierte, bevor ich ein Schl?fchen hielt. Nach dem Aufwachen lud ich Tinder herunter." Ob das wirklich was gebracht hat? Unsere US-Kolumnistin Karley Sciortino im - nicht ganz ernst gemeinten - Erfahrungsbericht über Dating, wenn man noch am Ex h?ngt

Es gibt viele Phasen von Liebeskummer. Drei Monate nach dem Ende meiner Beziehung habe ich sie fast alle durchgemacht. An erster Stelle steht der Schock, gefolgt vom Leugnen und einer Mischung aus L?hmung, Wut und Einsamkeit. Dann kommt die Zeit, in der man wie bet?ubt ist und sich dabei ertappt, wie man ins Leere starrt und abgedroschene Gedanken spinnt, die wie die Einleitung zu einem Handbuch der Philosophie klingen: ?Was ist Glück überhaupt?“. Hat man dann zumindest einen Teil seiner Würde wieder zurückgewonnen, kommt die klassische ?Ich werde es euch schon noch zeigen“-Phase. In diesem Zustand versucht der Verstand dem Herz vorzugaukeln, dass man mit der Sache abgeschlossen h?tte. Pl?tzlich sprüht man vor Energie für Dinge, die einem vorher v?llig gleichgültig waren: Man sortiert seine Bücher nach dem Alphabet und sucht die besten Food-Podcasts heraus, obwohl man eigentlich nie kocht und keinen einzigen Topf besitzt. In dieser Phase stürzt man sich wieder in die Paarungsschlacht, auch Dating genannt.


Treffen mit Mr. Tinder

Für mich begann diese Phase, als ich ?Gut leben ist immer noch die beste Rache“ auf ein Post-it schrieb, das ich neben meinem Bett an die Wand h?ngte und zwanzig Minuten lang fixierte, bevor ich ein Schl?fchen hielt. Nach dem Aufwachen lud ich Tinder herunter.

?Was kann schon schiefgehen?“, dachte ich. Obwohl Tinder den Ruf hat, einem schnelle Sex-Dates zu verschaffen, scheinen die meisten Nutzer nach dem Match lieber erst einmal eine Weile sinnlos zu texten: über den neuesten Hybrid-Food-Trend, darüber, wie teuer Brooklyn ist – Themen, die mich schon bei Freunden nerven und bei Fremden erst recht. Irgendwann hatte ich dann aber doch ein Match mit einem halbwegs gutaussehenden Typen in den Drei?igern, der bereit war, den Smalltalk zu überspringen. Als ich eine Stunde sp?ter zu unserem Treffpunkt in einer Bar im West-Village kam, wurde mir schlagartig klar, warum sich die Leute lieber erst über Textnachrichten abtasten. Wie sich herausstellte, verk?rperte Tinder-Man eine Mischung aus zwei meiner schlimmsten Albtr?ume: 1. klein, 2. Schauspieler.


Wie bei etwas kurz geratenen Schauspielern so üblich, fand er sich selbst ausgesprochen toll. Nach wenigen Minuten spielte er mir eine Aufnahme von sich vor, in der er einen Song aus seinem n?chsten Off-Broadway-Stück zum Besten gab. W?hrend ich h?flich l?chelte und im Takt der lautstark aus seinem Handy dr?hnenden Ballade – es war auch noch ein Duett! – nickte, versuchte ich, mir die Schauder, die mir den Rücken hinunterliefen, nicht anmerken zu lassen. Natürlich fragte er mich als n?chstes, ob ich auf Dreier stünde. Eigentlich war es eher ein Angebot, denn wie er hinzufügte, hatte er selbst bereits ein paar Dreier gehabt, die ?schon irgendwie OK“ waren und w?re bereit, es erneut versuchen, falls ich es wollte. Ich bedankte mich für seine Gro?zügigkeit, und schon schleppte er mich in eine nahegelegene Schwulenbar, damit ich mir dort ?ein M?dchen für Gruppensex aussuchen“ konnte – dabei waren 98 Prozent der Anwesenden schwule M?nner. Erst als er mich zu einem Techno-Remix eines Lana Del Rey-Songs offensiv antanzte, ergriff ich endlich die Flucht.

Aber so schnell wurde ich ihn nicht los. In den folgenden Tagen und Wochen schickte mir Mr. Tinder unabl?ssig Textnachrichten, obwohl ich keine einzige beantwortete. Es war alles dabei von ?Sü?e, was ist jetzt mit unserem Dreier?“ über ?Ist dein Handy kaputt!?“ bis hin zu dem v?llig zusammenhanglosen Hinweis ?Ich war diese Woche im Fernsehen.“ Seine letzte Frage lautete, ob ich nicht antworte, weil ich zu dumm sei, um einfaches Englisch zu verstehen.

Im Lauf der Jahre habe ich gelernt, dass es vielen M?nnern ?u?erst schwer f?llt, mit Ablehnung umzugehen. Ihre Gehirne laufen geradezu Amok. In der Folge werfen sie mit Beleidigungen um sich, in dem verzweifelten Versuch, ihre erschütterten Egos wieder aufzubauen. Online-Dating befeuert dieses traurige Ph?nomen zus?tzlich, weil es M?nner in Kontakt mit noch viel mehr Frauen bringt, die keinen Sex mit ihnen haben m?chten.


Dating in New York ist Krieg

Meine sehr weise Freundin Ally sagte einst: ?Dating in New York ist Krieg. Sieh dich vor, sonst werden dir die Beine unter dem K?rper weggeschossen und du endest als Bettlerin in der U-Bahn.“ Auch wenn das sehr dramatisch klingt, kann ich das Gefühl dahinter doch nachvollziehen. Manchmal bricht einem schon beim Gedanken, da ?rauszugehen“, der Angstschwei? aus. Und trotzdem muss man sich dazu überwinden, denn die Alternative hei?t, alleine zuhause zu sitzen, tütenweise Beef Jerky in sich hineinzustopfen und sich in der abgelegten Jogginghose eines entfernten Verwandten eine Folge "Mob Wives" nach der anderen reinzuziehen (so wie ich in letzter Zeit). Nach dem Tinder-Fiasko sah ich mir Nymphomaniac von Lars von Trier an und versuchte, mich in die Hauptfigur des Films hineinzudenken, deren Kick es ist, mit seltsamen M?nnern zu schlafen – was ich auch mal sexy und aufregend fand, bevor meine Ex-Freundin mir das Herz aus dem Leib riss und in den Müll warf, zusammen mit meinem Lebenswillen und meinem m?glicherweise problematisch hohen Sexualtrieb.

Ein paar Abende sp?ter war ich zu einer Dinnerparty an der Upper East Side eingeladen. In ein verführerisches Seidenkleid gehüllt, ging ich absichtlich alleine hin, damit mir gar nichts anderes übrig blieb, als mich unter die Leute zu mischen. Irgendwann landete ich in einem l?ngeren Gespr?ch mit einem Kardiologen, den ich auf Anfang 50 sch?tzte. Auch wenn er khakifarbene Hosen mit hohem Bund trug und gut sichtbare Nasenhaare hatte, war er wirklich sü? und wurde mit jedem weiteren Schluck Bowle, den ich zu mir nahm, auch immer witziger. Infolge meines Nympho-Filmabends war ich für eine ungew?hnliche Erfahrung offen und erkl?rte mich bereit, mit ihm in seine Wohnung zu gehen.

Klar hatte ich nach einer Erfahrung Ausschau gehalten – aber sicher nicht nach dieser. Nachdem Herr Doktor sich ausgezogen hatte, sah er deutlich ?lter aus als 50 – eher wie um die 60. ?ltere M?nner sind einfach selten k?rperlich anziehend, insbesondere in nacktem Zustand. Wenn Frauen ein paar Pfunde zulegen, macht sie das weicher und knuddeliger. Aber M?nner nehmen irgendwie an den falschen Stellen zu und sehen aus wie schwangere Trolle. Ganz zu schweigen davon, dass die meisten, kaum dass sie über 30 sind, Rückenhaare entwickeln. Schlie?lich nahm der Arzt auch noch einen Penisring vom Nachttisch und setzte mich darüber in Kenntnis, dass er ihn brauche, um steif zu bleiben. Ich glaube, nie in meinem Leben war mein Wunsch, lesbisch zu sein, gr??er, als w?hrend ich ihm dabei zusah, wie er das Lederband um seine ungepflegten Eier legte. Als ich die Geschichte am n?chsten Morgen zur Kompensation meiner posttraumatischen Belastungsst?rung meiner besten Freundin beim Brunch erz?hlte, zeigte sie sich gewohnt wettbewerbsorientiert und konterte ihrerseits mit dem Bericht über einen ?lteren Mann, der nach dem Orgasmus eine Sauerstoffmaske aufsetzte, ?um zu überleben“. Sie kann einfach nicht verlieren!


Bei Liebeskummer hat niemand eine echte Chance

Es ist einfach schwierig, jemanden zu finden, mit dem man mehr als zweimal Sex haben m?chte und der einen nicht schier in den Selbstmord treibt, wenn er den Mund aufmacht. Nur: Wenn man nicht sexuell enthaltsam leben m?chte, muss man seine Ansprüche eben auch mal runterschrauben. Das passiert in der Regel, wenn man mit einer franz?sischen Zufallsbekanntschaft im Bett liegt, die dir erst nach dem Sex erz?hlt, dass sie verheiratet ist und mit den Krücken im Wohnzimmer das Schlange stehen am Flughafen umgeht.

Ich m?chte gar nicht pauschal behaupten, dass modernes Dating dem Untergang geweiht ist, oder Carrie Bradshaw beipflichten, dass es in New York schwieriger ist sich zu verabreden als anderswo (wenngleich es mich angesichts der Gr??e der Stadt immer wieder erstaunt, wie selten ich jemandem begegne, der nicht schon mit jemandem im Bett war, den ich kenne). Auch habe ich in den vergangenen Monaten ein paar wirklich spannende Leute getroffen, darunter einen attraktiven Künstler, der aussieht wie der junge Richard Hell, und ein hei?es, androgynes M?dchen aus der Ivy League, die stundenlang über Bücher und Filme sprechen konnte. Nur kommt es bei Liebeskummer gar nicht darauf an, wem man über den Weg l?uft, denn eigentlich hat niemand eine echte Chance.


Der Unterschied zwischen dem Ende einer üblen oder guten Beziehung

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen einem Relaunch auf dem Dating-Markt nach dem Ende einer üblen oder einer guten Beziehung, in der man eigentlich gerne noch w?re und nach der man sich dazu überwinden muss, jemand Neuen zu suchen. Als ich vor Jahren mit einem Freund Schluss machte, der mich verbal missbraucht hatte, verliebte ich mich sofort in jeden, der auch nur minimal mehr für mich tat, als mir die Tür aufzuhalten. ?Wow, jetzt hast du schon drei Minuten mit mir geredet, ohne mich dabei dumm oder fett zu nennen. Natürlich m?chte ich mit dir schlafen! Warum ziehst du nicht gleich bei mir ein?“ Doch wenn man noch Gefühle für den oder die Ex hat, so wie ich gerade, vergleicht man alle, die man trifft, nicht nur mit dieser Person, sondern mit einer romantisierten Version von ihr, die noch viel besser, klüger und attraktiver ist als im wirklichen Leben. Vor allem aber macht man allen anderen etwas vor, denn einerseits ist man gefühlsm??ig unerreichbar, erwartet andererseits aber ein H?chstma? an Aufmerksamkeit von seiner Umgebung – eine nicht wirklich attraktive Kombination.

Vor kurzem traf ich eine Weile einen 32-j?hrigen, angesehenen Zeitschriftenredakteur, der rational betrachtet eindeutig ein geeigneter Partner für mich ist. Immer wieder lese ich Artikel darüber, dass wir im Zeitalter der ?Hook-up-Kultur“ leben, dass wir Kinder des 21. Jahrhunderts uns nicht mehr gegenseitig den Hof machen. Doch nach meiner Erfahrung trifft das ganz und gar nicht zu. Mit dem Redakteur erlebte ich einige legend?re Dates: Abendessen auf einem Boot im Hudson River, ein Strandwochenende in den Hamptons, Martinis im Carlyle und eine Reihe anderer Verabredungen, bei denen ich mir vorkam, als ob wir in einem Woody-Allen-Film der Siebziger w?ren. Manchmal dachte ich dabei: ?Du k?nntest der Richtige sein.“ Doch am Ende führte mir all das nur umso intensiver vor Augen, wie sehr ich noch an meinem Ex h?nge, denn auch der perfekte Mann war nicht gut genug. Selbst wenn ein wiedergeborener James Dean mit einer Schwarzen Mastercard und komplett haarlosem Rücken vor mir stünde, würde es sich falsch anfühlen. Denn ich w?re nicht mit dem Herzen dabei.



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