Pers?nliche Entwicklung

Leben nach der Quarant?ne: Was nehmen wir jetzt für uns mit?

von Sarah Thiele
Die einen haben lieber ganz ruhig gemacht und den Stecker gezogen, die anderen brauchten 24 Stunden am Tag Action. Egal, wie die eigene Quarant?ne-Realit?t aussah oder noch aussieht, wir alle k?nnen etwas aus dieser Zeit mitnehmen – doch dafür müssen wir aufh?ren, uns zu vergleichen

Die vergangenen Wochen erscheinen rückblickend wie ein einziger Zeitklumpen. Wochen, Tage, morgens, mittags, abends – alles ein Brei. Es ist viel passiert seit Covid-19 uns erreicht hat und irgendwie auch gar nichts. Drau?en überschlagen sich die Ereignisse, drinnen in Quarant?ne scheint das Leben in Slow Motion zu laufen. Am Telefon gibt es nicht mehr viel zu erz?hlen: "Was machst du so..?" "Ja... und du so?" Man hockt zu Hause und versucht Zeit totzuschlagen. Zeit, die man auf einmal hat. Die Zeit, die einem sonst immer gefehlt hat. Dabei tun wir alle unser Bestes, um klarzukommen. Und wie das aussieht, sollte eigentlich egal sein. Beim Klarkommen gibt es weder richtig noch falsch. Doch zwischen all den Tipps, wie man jetzt zehn neue Sprachen, Stricken und Blumen umtopfen lernt, Brotback-Tutorials und Zoom-Trinkgelagen hat sich ein Erwartungsdruck – regelrechter "Social Pressure"– aufgebaut. Und das in einer Phase, in der zum ersten Mal in unserem Leben eigentlich niemand irgendetwas von uns erwartet, au?er eben klarzukommen.

Aufh?ren nach rechts und links zu schauen

Vielleicht ist das die erste Lektion, die wir irgendwann (wann auch immer das für jeden einzelnen sein mag) aus dem Lockdown mitnehmen k?nnen: Wir sind unsere eigenen strengsten Richter. Es ist v?llig Wurst, ob man jeden Tag Sport gemacht oder auf dem Sofa gegammelt und alle einhundert Staffeln "Vampire Diaries" geguckt hat. Unsere Zeit geh?rt uns allein, deshalb k?nnen auch nur wir ihr Labels geben. Drei Schoko-Muffins zu vernichten, kann ebenso produktiv sein, wie eine Runde durch den Park zu laufen, wenn es das ist, was man gerade braucht. Warum vergleichen wir uns derzeit noch mehr als vor dem Lockdown?

An den Tagesstrukturen der meisten Menschen hat sich schlie?lich nicht viel ge?ndert. Die Yogis machen Yoga, die Genie?er freuen sich über zwei bis fünf Gl?ser Wein am Abend, die Chiller zocken und die Modebegeisterten tragen auch im Home Office richtige Hosen. Das Problem ist, dass wir jetzt genauer und ?fter hinschauen, weil wir mehr Zeit haben und die sozialen Medien unsere Fenster zu den Menschen sind, die wir nicht sehen dürfen. Anstatt jedoch st?ndig nach rechts und links zu blicken und dabei das eigene sowie das Verhalten anderer zu beurteilen, sollten wir viel mehr bei uns sein. Wir sind okay, so wie wir sind, wir versuchen alle unser Bestes. Wir versuchen alle blo? klarzukommen. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen. 

In sich gehen und bei sich sein

Entspann dich doch mal! Findest du nicht, du k?nntest deine Zeit besser nutzen? In uns k?mpfen die Stimmen einer Leistungsgesellschaft, die uns zur Perfektion erziehen will. Doch Perfektion kann nie erreicht werden und genau darauf baut das kapitalistische Wertesystem auf. Uns wurde von klein auf beigebracht, dass da noch Luft nach oben ist. Wir immer noch ein bisschen besser sein k?nnen, ein bisschen erfolgreicher, ein bisschen straffer. Zeit muss genutzt werden. Was uns dabei nicht vermittelt wurde, ist, dass auch im Bett liegen und die Knubbel der Raufasertapete z?hlen, aktiv genutzte Zeit sein kann. Zudem haben sich mit der Corona-Krise unsere Werte ver?ndert. Familie, Freunde, Sicherheit, Gesundheit, das ist es, was nun von Bedeutung ist. Die Stimmen in unserem Kopf lassen sich natürlich nicht von heute auf morgen stumm schalten. Aber wir k?nnen daran arbeiten, sie immer ?fter zu überh?ren, ihnen weniger Bedeutung beizumessen. Und das sollten wir auch nach der Quarant?ne weiter versuchen.

Es ist n?mlich ganz egal, ob man in den vergangenen Wochen lieber eine ruhige Kugel geschoben hat oder zu H?chstformen am Herd aufgelaufen ist – wichtig ist zu wissen, was man für sich pers?nlich aus dieser Zeit ziehen kann. Vielleicht hat man festgestellt, dass man gar keine Freude am Joggen hat und keine zwei Minuten seines Lebens mehr damit verschwenden will. Vielleicht hat man eine vergessene Leidenschaft wiederentdeckt und ist jetzt Puzzle-Gro?meisterin, wie damals mit sechs Jahren. M?glicherweise ist man sich selbst ein Stück n?her gekommen und dem, was einem wirklich wichtig ist. Vielleicht hat man ein wenig Ruhe gefunden und kann diese mit in die Zeit nach dem Lockdown nehmen, in dem Wissen, dass man nichts auf dieser Welt beeinflussen kann, au?er das eigene Handeln. Und ganz vielleicht geht einem alles ab Tag eins wieder total auf den Sack. Das ist dann auch okay.

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