Kolumne: Mein Leben als Single, Teil 48

Was ich aus meinem Date mit einem Narzissten gelernt habe

von Kathi Killmann
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Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht's mit Folge 48: ein Date mit einem "Ich-bin-der-geilste-Typ"-Typen

Der sch?ne Narziss, von M?nnern und Frauen gleicherma?en begehrt, wies alle seine Verehrerinnen und Verehrer zurück, weil niemand je gut genug für ihn war. Eines Tages kam er an einem Gew?sser vorbei, verliebte sich in sein Spiegelbild, von dem er sich nicht mehr zu trennen vermochte und wurde in eine Blume verwandelt – die Narzisse. Warum ich euch heute die Sage vom sch?nen Narziss erz?hle, der nur sich und niemanden sonst lieben konnte? Weil es sie immer noch gibt und weil ich ein seltenes Talent habe, sie anzuziehen wie der Misthaufen die Schmei?fliegen oder wie mein frisch eingeschenktes Radler alle Wespen im Viertel.

Erst letztes Wochenende hatte ich wieder mal ein Date mit genau so einem ?Ich-bin-der-geilste-Typ“-Typen, von denen ich im letzten Jahr schon einige kennenlernen durfte. Und das besonders Fiese ist, w?hrend sich Nerd, Hipster, ?ko, Spie?er, Player oder Snob meist wenigstens durch ihre ?u?erlichen Merkmale erkennen lassen (um die Vorurteilsschublade mal ganz weit aufzumachen), kann sich so ein Narzisst in wirklich jeder Hülle verbergen. 

Mein Redeanteil schrumpft auf einmal auf 10:90

Andy zum Beispiel. Braune Locken, helle grün-blaue Augen unter den dichten Augenbrauen, Dreitagebart, kr?ftig, sportlich, sympathisches L?cheln. Andy wohnt etwas au?erhalb, deshalb haben wir uns zum Spazierengehen irgendwo zwischen München und Hintertupfing verabredet. Ich bin zuerst am Treffpunkt, fünf Minuten sp?ter kommt sein gro?er Auftritt: Ich h?re ihn, bevor ich ihn sehe. Der gro?e schwarze Audi rast über den Kiesparkplatz, kommt quietschend neben mir zum Stehen und Andy steigt aus. ?hnlich wie auf den Tinderfotos, aber mit dunkler Sonnenbrille und starker Parfümwolke. Küsschen rechts, Küsschen links. Moment, war nicht gerade noch Corona? Mindestabstand? Treffen im Freien? Das erste Mal an diesem Tag, dass ich das Gefühl habe, dass mir Andys Minzatem ungefragt zu nahe kommt.

...Einen Hund zu kaufen, weil man sich durch die Corona-Krise einsam fühlt?

Aber erst einmal laufen wir gemeinsam los, den Fluss entlang, bis wir irgendwann zu einer Lichtung kommen und Andy eine Decke und Bier für uns beide auspackt. Wie aufmerksam, denke ich und h?nge diesem Mann an den Lippen, der von seiner Arbeit, seiner Ausbildung und seinen Hobbys erz?hlt, als w?re er in einem Vorstellungsgespr?ch für den Job seines Lebens. Alles was Andy macht ist gro?artig und w?hrend er immer lauter wird, werde ich immer leiser, was nicht weiter st?rt, denn mein Redeanteil liegt ohnehin bei 10:90. Eine Stunde sp?ter komme ich mir neben dem Mann mit den drei Studienabschlüssen und dem gro?en Ego zunehmend kleiner und dümmer vor. Andy streicht sich gerne über die muskul?sen Arme, w?hrend er erz?hlt, was er alles kann und fast schon zucke ich zusammen, als sich seine Hand pl?tzlich auf meinen Rücken verirrt. 

"Stell' dich nicht so an!"

Und dann kommt sie, die erste Frage an mich: "Wie viele Tinderdates hattest du schon?" Ich antworte wahrheitsgem?? und merke, dass sich da gerade irgendetwas im Blick des tollsten und sch?nsten Mannes dieses Universums ver?ndert hat. Wenig sp?ter küsst er mich, einfach so. Ohne vorsichtiges Rantasten, ohne Z?gern, ohne Umschweife. Und was ich in anderen Momenten vielleicht als ?Heat-of-the-moment“ bezeichnet h?tte, fühlt sich jetzt einfach nicht richtig an. Keine Leidenschaft, kein Bauchkribbeln, keine Gefühle. Also zumindest keine, die mit tanzenden Schmetterlingen zu tun haben, eher mit einem wütenden Wespenschwarm. Fasst der Typ mir gerade ernsthaft in die Hose? Ich schiebe seine Hand weg, schiebe seinen ganzen K?rper weg und frage mich, wann genau ich ihm das Signal gegeben habe, dass mir das jetzt gefallen k?nnte. Sex auf einer Wiese am Fluss mit einem Typen, der sich einfach nimmt, was er will, ohne mal kurz zu checken, ob das auf Gegenseitigkeit beruht. Und der jetzt allen Ernstes zu mir sagt: ?Ach komm, stell dich nicht so an. Ist doch sch?n.“ Wo ist der Wespenschwarm, wenn man ihn braucht? 

Als ich dann auch noch realisiere, dass ich hier drau?en nicht mal Netz habe, will ich einfach nur schnellstm?glich weg. Weg von diesem Typen, raus aus dieser Situation. Exit-Plan. Ich packe meine Sachen, Andy streicht sich eine Locke aus der Stirn und schaut mich verdutzt an, w?hrend ich versuche, ihm klarzumachen, dass er gerade eine Grenze überschritten hat. Ich bin weg und lasse ihn am Fluss zurück. Vielleicht l?sst er sich dort in eine Blume verwandeln, vielleicht auch nicht. Meine Single-Erkenntnis 048: Es gibt Dates, die fangen echt schwach an und lassen dann stark nach.

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