Single-Kolumne, Teil 42

Ich h?re Stimmen: Wie ich als Single in der Corona-Krise psychisch gesund bleibe

von Kathi Killmann
Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht es mit Folge 42: Nur auf die Stimmen h?ren, die man gerne h?rt. Und wenn alle Stricke rei?en: Musik lauter aufdrehen!

Es ist so weit. Ich h?re Stimmen. ?Nicht die Kontrolle verlieren“, sagt sie. ?Bringt Struktur in euren Alltag“, sagt sie auch. Es ist die Stimme von Pia. Pia Kabitzsch ist die neue YouTube-Psychologin meines Vertrauens. Gestern, als ich nicht schlafen konnte, habe ich mir ihr Video zum Thema ?Corona -– eine Gefahr für unsere psychische Gesundheit“ angeschaut. Jetzt bin ich ein bisschen schlauer und wei?, warum ich seit ein paar Tagen schlecht schlafe und warum dieses Fiepen in meinem Ohr wieder lauter geworden ist. Tinnitus, hat der Arzt im letzten Jahr diagnostiziert. Die Ursache? ?Schwer zu sagen. Haben Sie gerade viel Stress?“ Mit verordneter Ruhe und Ginkgo- und Cortison-Pr?paraten bin ich dem pfeifenden St?renfried dann auf die Pelle gerückt. Irgendwann hat er nur noch morgens und abends gepfiffen und ist vom schrillen Trillerpfeifenmarathon in ein sanftes Meeresrauschen mit M?wengeschrei übergegangen.

Nicht die Kontrolle verlieren

Phhhhhhiiiiii, jetzt piepst der Mann in meinem Ohr also wieder in seiner vollen Klangfülle. Besonders liebt er die stillen Momente, wenn ich im Yoga-Sitz versuche in die Meditation zu finden, wenn ich am Schreibtisch über meinen To-Dos grüble, wenn ich Zeitung lese, wenn ich meinen t?glichen Spaziergang mache und wenn ich im Bett liegend darauf warte, dass endlich dieses Sandm?nnchen kommt, um das Tinnitus-M?nnchen abzul?sen. Dann ist Ruhe. Ich mag diesen Schichtwechsel mittlerweile so gerne, dass ich mir oft tagsüber den Sandmann herbeiwünsche. Kurzes Nickerchen, kleiner Power-Nap, nur ganz kurz wegd?sen – was meine Kollegin im Büro sonst mit einem Lachanfall quittiert h?tte, würde jetzt im Homeoffice gar nicht weiter auffallen. Aber nein, ?nicht die Kontrolle verlieren“ – sagt Pia und ich verstehe, dass Stress auch andere Ursachen als überarbeitung haben kann: ?Auch wenn jeder von uns die Corona-Krise gerade ganz individuell erlebt, bedeutet die momentane Situation für einen Gro?teil für uns einfach nur Stress. Stress durch Ver?nderung, durch Einsamkeit, durch soziale Distanz, durch Angst, durch Sorgen, durch Unsicherheit, durch Kontrollverlust.“ Okay verstanden, aber was tun?

Pia gibt fünf Tipps, wie man trotz Corona-Krise psychisch gesund bleibt:

  1. Bewegt euch
  2. Meditation
  3. Seid gemeinsam einsam
  4. Medien-Detox
  5. Strukturiert euren Alltag

Rat befolgen (Ohr pfeift)

Ich versuche also, Pias Rat zu befolgen, meditiere morgens eine Runde in meinem Bett (das Ohr pfeift), stehe auf und mache ein 20-minütiges Home-Work-out (Ohr pfeift), mache mir einen Kaffee (Ohr pfeift) setze mich an meinen Schreibtisch (Ohr pfeift), mache Mittagspause (Ohr pfeift), kurzer Chat in unserer Freundesgruppe (Ohr pfeift), weiter arbeiten (ihr wisst schon). Eine WhatsApp von Lukas kommt rein: ?Heute Abend nochmal skypen?“ (Ohrpfeifen? Wei? nicht, bin gerade zu sehr mit der Regulation meines Herzschlags besch?ftigt). Lukas war ein One-Night-Stand, ebenso wie mein Ohrton ein Relikt aus 2019, diesem verrückten Jahr, in dem man noch unbekümmert feiern und daten konnte. Bis zu unserem Skype-Date vor zwei Wochen haben wir nur ab und zu geschrieben. Nichts Aufregendes. Und doch ist da jetzt ein leichtes Bauchkribbeln beim Lesen seiner Nachricht. ?Klar, warum nicht“, tippe ich schnell zurück, bevor ich es mir anders überlegen kann. Und je n?her der Zeiger Richtung Abend wandert, desto aufgeregter werde ich. Hibbelige Beine, kribbelnde Finger, schwitzige H?nde – kein Unterschied zum Daten im echten Leben. Aber wenn das jetzt mal kein Vorteil ist... durch die Kamera wird ihm das hoffentlich nicht so schnell auffallen.

Skype-Date mit dem One-Night-Stand

Oberk?rper stylen (reicht v?llig), noch einen Blick in den Spiegel, die Kamera in einem m?glichst schmeichelhaften Winkel platzieren, kurzer Toncheck. übrigens habe ich kürzlich einen Profi-Trick gelesen: Kamera etwas h?her als Augenh?he ausrichten (das erspart die fiese Doppelkinnansicht) und eine Leuchte so aufstellen, dass sie sch?nes indirektes Licht liefert. Vielleicht noch schnell checken, was im Hintergrund zu sehen sein k?nnte: Geschirrberge, W?schest?nder, Sex-Spielzeug wegr?umen. Kurz bevor Lukas anruft, ist die Anspannung wieder auf dem H?hepunkt: Was, wenn die Verbindung hakt, ich ihn nicht gut verstehe, wir uns nichts zu sagen haben?? Egal, es gibt nichts zu verlieren und es ist auch nicht so, dass ich gerade so wahnsinnig viele andere Abendpl?ne h?tte. Und als auf meinem Laptop dann Lukas Kopf auftaucht, ist sowieso alles vergessen. Wie schon bei unserem ersten Skype-Date fühle ich mich ihm trotz der gr??tm?glichen Distanz sehr nah und kann mir fast vorstellen, wie es w?re, jetzt neben ihm zu sitzen. Das Bild ruckelt ab und zu, aber unser Gespr?ch rei?t nicht ab – keine peinliche Stille und wisst ihr, was das Allerbeste ist – ich h?re nur ihn! Und damit lautet meine Single-Erkenntnis 042: Nur auf die Stimmen h?ren, die man gerne h?rt. Und wenn alle Stricke rei?en: Musik lauter aufdrehen!

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