Kolumne: Mein Leben als Single, Teil 50

Analoge Augenblicke – warum es sich lohnt, mal hinzuschauen

von Kathi Killmann
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Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht's mit Folge 50: Analoge Augenblicke – warum es sich lohnt, mal hinzuschauen

Schon wieder ein bisschen sp?t dran, schon wieder keine Zeit gehabt, die Haare zu f?hnen, das Handy in der rechten Hand – noch schnell Mails checken, die Ohrst?psel in der linken Hand – und noch kurz den Podcast fertig h?ren, stürme ich aus dem Haus, um nicht wieder die letzte im Büro zu sein. Und w?re der bellende Hund nicht gewesen, h?tte ich wahrscheinlich weiter ins Handy gestarrt und das L?cheln des Mannes verpasst, der mit Fahrrad in der linken und Hund an der rechten Hand entgegengelaufen kam.

Weil es so ein offensichtliches offenes Angrinsen war, musste mein Blick noch einmal kurz verlegen nach unten auf den Handybildschirm ausweichen. 21, 22, ich schaue auf und blicke wieder in dieses aufmerksam interessiert zurückschauende Grinsegesicht mit den krass blauen Augen und l?chle zurück. Und dann ist der Sekundenflirt-Moment mit dem hübschen Mann mit Hund auch schon wieder vorbei. Er geht an mir vorbei, ich gehe an ihm vorbei. Ich traue mich nicht, mich umzudrehen, und habe deshalb auch keine Ahnung, ob er sich noch einmal umgeschaut hat. 

Jogger, Leser, Trinker, Fitties

Als ich sp?ter beim Mittagessen mit meiner Freundin Sara darüber spreche, warum wir eigentlich nie jemanden im Real-Life kennenlernen, f?llt mir meine morgendliche Begegnung wieder ein. Klar sieht man schon mal den ein oder anderen gut aussehenden Mann in der Stadt. Ich empfehle dazu einfach mal einen abendlichen Isar-Spaziergang: Da haben wir zum Beispiel den drahtigen Jogger in kurzen Hosen, den melancholischen Musikh?rer mit Bier auf der Parkbank, den durchtrainierten Cross-Fitty, der noch bei der 100. Liegestütze top aussieht, die Jungs, die sich den Frisbee zuwerfen, der Lesende auf den Steinstufen am Ufer und den st?ckchenwerfenden Hundebesitzer, den Typ mit der Gitarre, den hotten Rennradler mit den muskul?sen Waden und jede Menge Handy-Walk-Zombies wie mich. Textend, tippend, telefonierend rennen wir durch die Gegend und schauen nur auf, wenn wir angerempelt, angeschnauzt oder wie ich heute Morgen, angebellt werden.

"Wollen wir vielleicht gar nicht mehr angesprochen werden? So wie wir uns immerzu abkapseln und gar keinen Raum für neue Begegnungen lassen?", frage ich Sara, die wie ich schon ein Weilchen Single ist. "Meinst du denn, er h?tte dich angesprochen, wenn du dein Handy nicht in der Hand gehabt h?ttest?", fragt Sara zurück. "Keine Ahnung. Nein wahrscheinlich nicht. Aber der Punkt ist doch, dass ich ihn beinahe nicht einmal bemerkt h?tte" sage ich und sto?e bei Sara auf wenig Verst?ndnis, die schon einen Schritt weiter ist: "Ja, aber kennenlernen würdet ihr euch ja trotzdem nicht, wenn keiner den anderen anspricht. Das macht doch heutzutage keiner mehr." 

Augen auf beim Einkauf

Am Abend schickt Sara ein Foto, unkommentiert. Ich ?ffne es und sehe Saras Hand, die einen Zettel h?lt: "Hey, ich habe Dich gerade vor dem REWE gesehen, aber als ich mich umdrehen wollte, um Dich anzusprechen, warst Du schon weg. Wenn Du Lust hast, einen Kaffee oder ein Glas Wein mit mir zu trinken, dann melde Dich doch bitte unter: XXXX/XXXXXXX. Wenn nicht, dann lass Dir nur gesagt sein, dass Du wirklich wundersch?n bist und mir den Tag versü?t hast. Liebe Grü?e, Jasper". Mit blauer Tinte geschrieben, sch?ne klare Handschrift, alle Dus und Dichs gro?geschrieben, alte Schule. "Whatt?? Wie cool", schreibe ich zurück und würde diesem Jasper am liebsten selbst schreiben, um ihn für diese Aktion auf die Schulter zu klopfen. Endlich traut sich mal jemand, fern von Komfortzone und Dating-Apps, die Initiative zu ergreifen. Ein Hoch auf Jasper!!!

Der einzige Haken an der Geschichte: Sara hat Jasper nicht gesehen, Sara hat überhaupt niemanden bemerkt. "Ich war nur schnell beim Einkaufen, da hab’ ich jetzt auch nicht so darauf geachtet, wer da so rumspringt und au?erdem…" – "Was??" – "Naja und au?erdem hatte ich gerade ein krass spannendes Quiz-Duell." So viel zum Thema. Ich beschw?re Sara, Jasper wenigstens zurückzuschreiben und zu sagen, dass das eine coole Aktion von ihm war, und nehme mir selbst vor, das Handy in Zukunft ?fter in der Tasche zu lassen. Zum Beispiel morgen früh, wenn ich mit gef?hnten Haaren und offenen Augen aus dem Haus gehen werde.

Und damit lautet mein Single-Wunsch 050: K?nnen wir uns bitte alle mal wieder h?ufiger analog anl?cheln, ansprechen und anschreiben.

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