Single-Kolumne, Teil 44

Maske auf – mein erstes Corona-Date

von Kathi Killmann
Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht es mit Folge 44: das erste Corona-Date

"Willst du meine Kontaktperson sein?", hat mich Lukas letzte Woche gefragt, als bekannt wurde, dass man sich jetzt mit einer haushaltsfremden Person treffen darf. Gro?es Aufatmen bei allen Single-Haushalten und vermutlich auch bei allen Postboten und Supermarktverk?ufern, die ihre Zusatzfunktion als Kummerkasten langsam wieder abtreten k?nnen. Gro?es Aufatmen auch bei mir. Klar wollte ich seine Kontaktperson sein. Und vor allem wollte ich nach vier Wochen ohne nennenswerten menschlichen Kontakt (Supermarkt- und Postmitarbeiter mal ausgenommen) keinen Tag l?nger warten, ihn zu sehen. 

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Handy-Geldbeutel-Schlüssel-Maske

Bei blauem Himmel und T-Shirt-Wetter sind wir zum Spazierengehen mit Sicherheitsabstand verabredet. Und anstatt, wie sonst vor einem Date, furchtbar aufgeregt zu sein, freue ich mich sehr darauf, ihn gleich live zu sehen, ohne Bildzuckler, ohne "Mist, schlechtes Netz", ohne "Sorry, mein Akku war leer" oder andere Verz?gerungsmomente. Ein echter Lukas, im echten Leben. Ein Stück Normalit?t in der aktuellen Realit?t, zu der mittlerweile geh?rt, dass ich beim Hausverlassen nicht nur Handy-Geldbeutel-Schlüssel checke, sondern auch schaue, ob ich die Gesichtsmaske eingesteckt habe. Sicher ist sicher.

Letzte Woche hat mir Maik, der Postbote, ein Paket vorbeigebracht: Meine Freundin Sophia hat mich mit ihren selbstgen?hten Masken versorgt (danke Sophia!). Jetzt kann ich morgens überlegen, ob ich mich heute eher nach uni-blau, bunt-gemustert oder schwarz-rot-gepunktet fühle. Also Handy-Geldbeutel-Schlüssel-Maske einstecken und los, heute bunt. Unterwegs kommen mir Einwegmasken, OP-Masken, FFP2-Masken, Halstücher, Geschirrtücher, Sturmhauben, Masken mit Sprüchen, Masken mit Fratzen, Masken mit Blümchen, Masken aus alter Bettw?sche, Masken mit Tieren, Masken im Military-Look und mein pers?nliches Highlight: eine Augen-Schlafmaske entgegen.

Und so vielf?ltig wie die Masken sind auch die Tragweisen: Nase frei, über dem Kinn h?ngend, auf dem Bart thronend, auf der Stirn, auf dem Hinterkopf, an einem Ohr baumelnd, am Oberarm festgeschnallt – alles gesehen. Es ist schon einfach verrückt, wie wir pl?tzlich nur noch die halbe Gesichtspartie unserer Mitmenschen sehen und versuchen, durch einen Augen-Blick die Person hinter der Maske auszumachen. Ein bisschen aufregend ist das schon und ich merke, dass ich den Leuten auf der Stra?e früher nicht so intensiv in die Augen geschaut habe. Au?erdem habe ich ein neues Lieblingsspiel: Ich stelle mir gerne vor, dass die Gesichtsmasken Aufschluss über die Unterw?sche des Tragenden geben. Bl?dsinnig, ich wei?, aber die apokalyptische Stimmung in Bus und U-Bahn wird dadurch auf jeden Fall ein wenig ertr?glicher.

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Zeig mir deine Maske

Lukas erwartet mich jedenfalls mit einem blau-wei?-gestreiften Virenabhalter und erkl?rt mir mit lachenden Augen, dass seine Mutter ihn damit ausstaffiert hat. Statt uns zu umarmen, winken wir uns zu und spazieren dann gemeinsam Richtung Fluss. Das Wetter ist gro?artig, die Stimmung gut, wir lachen viel (mittlerweile ohne Maske). Ein fast normales Frühlingsdate, w?re es ein normaler Frühling. Denn immer, wenn ich merke, dass ich die zwei Meter gerade nicht einhalte, mache ich einen Schritt zur Seite und lasse den Abstand wieder gr??er werden. Das fühlt sich ein bisschen wie beim "Nicht-auf-die-Linie-treten-Spiel" an, das ich als Kind manchmal auf dem Schulweg gespielt habe. Ich erz?hle irgendetwas Lustiges, Lukas muss lachen und fasst mir dabei an den Arm. Als er es bemerkt, schaut er mich erschrocken an und zieht seine Hand ganz schnell wieder zurück, als h?tte er sich gerade an der hei?en Herdplatte verbrannt. Es ist ein seltsames Date, bei dem man schon von vornherein wei?, dass man sich nicht n?herkommen darf. Dabei waren wir uns ja eigentlich sogar schon mal sehr viel n?her. Trotzdem genie?e ich die Zeit mit ihm. Es ist sch?n, neben ihm zu laufen, ihm ab und zu in die Augen zu schauen, ihn einfach nur da zu wissen, seine N?he zu spüren, ihn riechen zu k?nnen, ihn lachen zu sehen. Und wer wei?, vielleicht bekomme ich ja irgendwann in diesem Sommer die M?glichkeit, zu checken, ob an meiner Gesichtsmasken-Unterw?schentheorie etwas dran ist. 

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