KOLUMNE: MEIN LEBEN ALS SINGLE, TEIL 49

Warum es mir besser ging, als ich 80 meiner 85 Matches l?schte

von Kathi Killmann
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Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht's mit Folge 49: Tinder-Entlastungstage

Einmal komplett entgiften, Schadstoffe loswerden, neue Energie gewinnen – das ist mein Plan für die kommenden Wochen. Weizen, Alkohol oder Zucker, stehen diesmal nicht auf der Verzichtliste, dafür Swipen, Chatten, Daten. Ich brauche eine Pause, einen Lockdown nach dem Lockdown. Corona hat dazu geführt, dass die g?ngigste aller Datingapps meine Bildschirmzeit wieder ordentlich in die H?he getrieben hat. Jeden Tag fünf bis zehn Minuten nach Links-und-Rechts-Gewische, jeden Tag unz?hlige "Wie-geht’s-dir-in-dieser-Zeit"- und "Wie-sind-deine-Pl?ne-fürs-Wochenende"-Fragen beantworten und plumpe Anmachen unmatchen. So viel Lebenszeit und -energie, die man wirklich anders investieren k?nnte.

Schade-Schei?e

Ein entscheidender Ausl?ser für meinen Wunsch nach Ballastloswerden war bestimmt die Andy-Misere ( siehe Folge 048), die mir doch noch ein Weilchen nachhing. Warum? Wahrscheinlich, weil es tats?chlich meine allererste wirklich ungute Erfahrung mit der Datingapp war. "Du hattest eh lang Glück", würde meine Single-Freundin Sara jetzt sagen, die Tinder schon vor Monaten gel?scht hat. "Das war ein bl?der Ausrutscher", würde Bianca dagegenhalten. "Schade-Schei?e", singt Funny van Dannen dazu. Recht haben sie wahrscheinlich alle. Und ich würde das ganze Dating-Get?se gerade gerne einfach etwas verstummen lassen. Trotzdem habe ich mich erst einmal für eine leichte Detox-Variante anstatt der radikalen Entziehungskur entschieden.

Does it spark joy?

Ich setzte jetzt auf lange Sattmacher statt kurzfristiger Bedürfnisbefriedigung. Hei?t: Lieber mit Leuten schreiben, die echtes Interesse zeigen, statt textfreie Matches anzuh?ufen. Bevor ich in die restriktive Phase gehe, r?ume ich also erst mal auf: 85 Matches haben sich da in letzter Zeit angesammelt. 85 M?nner, die ich angeschaut, für gut befunden und den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme gemacht habe – und vice versa. Und dann? Keine Nachricht. Im echten Leben würde ich jetzt diesen 85 M?nnern schweigend gegenüberstehen. M?glich klar, aber schon eher eine schr?ge Vorstellung. Ich gehe also noch einmal alle Profile durch, überlege, mit wem ich mich auch im Real Life gerne unterhalten würde und schreibe fünf aus 85 an. Die restlichen Matches l?se ich auf. Und ich muss sagen, es fühlt sich gleich viel leichter an. Ein bisschen wie die saubere Wohnung nach dem Frühjahrsputz, der ausgemistete Kleiderschrank oder die aufger?umte Festplatte. "Die Basis einer guten Ordnung ist ein gro?er Papierkorb", hat Tucholsky einmal gesagt. Nicht, dass ich damit sagen will, dass ich gerade 80 M?nnerprofile in den Mülleimer verfrachtet habe. Es war eher ein "Does-it-spark-joy"-Aufr?umen in Marie-Kondo-Manier. Bleiben also fünf Matches, auf die ich mich jetzt voll und ganz konzentrieren und freuen kann. Und eine zus?tzliche Einschr?nkung: Nachrichten werden nur noch einmal am Tag gecheckt und beantwortet.

Tinder-Entlastungstage

Anfangs f?llt mir das Verzichten gar nicht so leicht. St?ndig wandert mein Blick zum Handy und der Finger zur App, aber nach den ersten drei Tagen wird es langsam leichter. Mein Dating-Hunger ebbt langsam ab und ich glaube, ich fühle mich jetzt schon befreiter. Von meinen fünf Fastenbegleitern haben sich zwei noch nicht zurückgemeldet. Dafür füllen Fabian, Julian und Dominik meine Entlastungstage mit einer t?glichen Portion Wohlgefühl. Ich freue mich auf ihre Nachrichten und nehme mir bewusst Zeit für eine ausführliche Antwort. Keine Instant-Best?tigung, keine schnellen Aufrisse nach dem Tütenfutterprinzip oder l?ffelweise Bedürfnisbefriedigung aus der Dose. Nur Julian entpuppt sich leider als einer dieser Abnehmriegel – sch?ne Verpackung aber ohne alles, was Spa? macht. Bleiben noch Fabian und Dominik und irgendwann kann man ja dann auch mal wieder auf den Verzicht verzichten – darauf trinke ich jetzt ein kühles Bier und damit Prost, auf die Single-Erkenntnis 049: Warum Verzicht nicht alles ist.

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