Kolumne: Mein Leben als Single, Teil 36

Wie ich mich fühlte, als mein Date mich mit falschem Namen ansprach

von Kathi Killmann
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Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht's mit Folge 35: Ein besonderes Valentinsdate

"Erz?hlst du mir noch was Lustiges?" Durch mein Handy klingt seine Stimme etwas tiefer, aber genauso sanft und genauso merkwürdig vertraut, wie vorhin, als ich den Mann zu dieser Stimme zum ersten Mal gesehen habe. Jetzt liege ich daheim in meinem Bett und überlege, was ich erz?hlen k?nnte. Was Lustiges, mmh. Immer, wenn mich jemand auffordert, lustig zu sein, f?llt mir nur der eine einzige Witz ein, den ich mir merken kann, nicht wahnsinnig originell, aber immerhin ein Pinguin-Witz: "Was ist das Schlimme daran, ein Pinguin zu sein? – Wenn man total sauer ist und wegwatschelt, sieht man immer noch total sü? aus." Felix’ lautes Lachen l?sst vermuten, dass er den Witz nicht v?llig unoriginell findet. ?Das ist nicht dein Ernst“, sagt er, "den erz?hle ich auch immer." Ich wei? nicht, ob das seine Masche ist, oder ob er tats?chlich Pinguin-Witze super findet, auf jeden Fall macht es ihn schon wieder ein bisschen sympathischer. Und dass er überhaupt angerufen und sich noch einmal dafür entschuldigt hat, dass er mir nicht gleich gesagt hat, wo er wohnt, das rechne ich ihm wirklich hoch an. "Sehen wir uns noch einmal, bevor ich fahre?", fragt er jetzt und ich sage "Ja", weil ich ihn gerne noch einmal sehen würde, allein schon, um herauszufinden, ob die Anziehung, die ich bei unserem ersten Date ( Folge 035) gespürt habe, immer noch da ist.

Singende M?nner und andere Miseren

Ist sie, merke ich am n?chsten Tag, als wir uns zum Spaziergang treffen und er mich zur Begrü?ung umarmt. Felix ist ein guter Umarmer – nicht zu kurz, nicht zu lang, nicht zu fest, nicht zu sanft drückt er mich an sich und strahlt schon wieder so. Wir laufen an diesem sehr warmen Februartag an der Isar entlang, reden über alles M?gliche und landen irgendwann bei unseren Hobbys. Ich wei? ja schon, dass er Geige spielt und regelm??ig im Chor singt, trotzdem, dass er pl?tzlich einfach lostr?llern würde, damit habe ich irgendwie so gar nicht gerechnet. Wir sitzen am Isarufer und Felix stimmt ohne Vorwarnung, ohne Erkl?rung, ohne einführende Worte John Legend an: "What would I do without your smart mouth/Drawing me in, and you kicking me out/You got my head spinning, no kidding, I can't pin you down…" Was unter anderen Umst?nden vielleicht wie eine romantische Szene aus einem kitschigen Musicalfilm h?tte aussehen k?nnen, entpuppt sich als mein pers?nlicher Albtraum. Ich kann nicht singen und bin leider auch sonst nicht sonderlich musikalisch. Meine Gesangsversuche im Musikunterricht endeten stets mit einer schlechten Note und der Bitte des Lehrers, auf gar keinen Fall weiter zu singen. Bei Familienmitgliedern, Freunden und Ex-Freunden gelte ich als gefürchteter Mitfahrer, weil meine nicht immer ganz gegebene Text- und Tontreffsicherheit Lachanf?lle verursachen, die schon beinahe zu dem ein oder anderen Auffahrunfall geführt haben.

Die dritte Person

So und jetzt sitzt dieser tolle Mann hier neben mir und will, dass ich mit ihm singe? Auf gar keinen Fall! Felix schaut mich herausfordernd an: "What’s going on in that beautiful mind… Komm schon Katha, jetzt du." Okay, an dieser Situation kommen mir gleich mehrere Dinge ziemlich falsch vor: 1. Warum John Legend?, 2. Wie kann jemand so viel Selbstvertrauen haben?, 3. Warum wird mir pl?tzlich so warm?, 4. Wer ist Katha? Als ich mich noch frage, ob er mich gerade verh?rt habe, schaut er mich grinsend von der Seite an: "Kann es sein, dass die Katha nicht so gerne singt?" Da war es wieder und dann auch noch in der dritten Person. Ich habe ehrlich gesagt noch nie verstanden, warum man anwesende Personen nicht einfach direkt anspricht, wenn sie schon mal da sind. Beziehungsweise bin ich mir in diesem Fall nicht ganz sicher, ob er wirklich mich gemeint hat, und schaue mich zur Sicherheit noch einmal um. Keine Katha weit und breit. Ich glaube Felix denkt, dass ich ein sehr lustiger Mensch bin (vielleicht wegen des Pinguin-Witzes), jedenfalls deutet er mein irritiertes Umschauen nach einer potenziellen dritten Person als humoristische Einlage und f?ngt an zu lachen: "Du bist lustig, ich meine schon dich." Weil ich ihm irgendwie nicht sagen kann, dass ich nicht so gerne Katha genannt werde – nicht, dass ich ein Problem mit dem Namen h?tte, aber es ist halt einfach nicht mein Name – sage ich im stattdessen, dass ich leider überhaupt nicht singen kann. Irgendwann w?re es ja sowieso herausgekommen und wenn ich schon an ihn Ehrlichkeitsansprüche erhebe ( siehe Folge 035), kann ich mich da selbst wohl kaum herausnehmen. Felix lacht schon wieder und findet es wohl nicht so schlimm, na Humor scheint er tats?chlich zu haben. Mich besch?ftigt aber das Namens-Thema noch ein bisschen: Kann es sein, dass er meinen Namen beim Vorstellen falsch verstanden hat? Zur Sicherheit checke ich auch noch einmal meinen Tinder- und meinen Instagram-Account – nein stimmt schon alles: K-A-T-H-I.

Ich beschlie?e, der Sache ein wenig Zeit zu geben, vielleicht merkt er den Irrtum ja selbst und zumindest hat er mir keinen komischen Spitznamen wie Mausi, Hase und Co. verpasst. Das ist doch schon was. Aber es h?rt auch nach Felix’ Abreise nicht auf, mein Handy vibriert: "War sch?n mit dir Katha", steht da und obwohl es mein Handy ist, das mir sagt, dass ich eine Nachricht bekommen habe, fühlt es sich ein bisschen an, als würde ich einen Text lesen, der eigentlich für eine andere bestimmt ist. Daheim erz?hle ich meinen Mitbewohnern von der Namensmisere. Leo lacht mich aus: "Also ich wei? gar nicht, was du hast, a oder i, was macht schon der eine Buchstabe für einen Unterschied?" "Aber sie ist keine Katha", schl?gt sich Franzi auf meine Seite. Ganz genau. Dafür ist Felix aber Felix und sehr nett und ich überlege mir, wie ich ihn bis zu unserem n?chsten Treffen dazu bringen kann, mich doch bei meinem Namen zu nennen. Meine Single-Erkenntnis 036: Wenigstens musste ich nicht singen.

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