Kolumne: Mein Leben als Single, Teil 38

Schlaflos in Mannheim und das erste Mal mit meinem Tinderdate

von Kathi Killmann
Unsere Autorin Kathi Killmann hat die 30 überschritten und ist pl?tzlich wieder Single. W?hrend ihre Freunde der Reihe nach Kinder kriegen, heiraten und aufs Land ziehen, sucht sie zwischen Datingportalen und Barbesuchen nach ihrem Deckel und stellt fest – so einfach ist das alles gar nicht mehr, aber Spa? macht es trotzdem! Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach dem Richtigen und berichtet w?chentlich von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Weiter geht's mit Folge 38: Schlaflos in Mannheim und das erste Mal mit meinem Tinderdate

Felix und ich kennen uns jetzt seit ziemlich genau einem Monat. Seit unserem ersten Treffen, das ausgerechnet am Valentinstag stattfand, hat er mich einmal in München besucht, einmal haben wir uns in der Mitte getroffen und gestern Abend habe ich mich aufgemacht, ihm einen Besuch in Mannheim abzustatten. Ein langes Wochenende bei ihm, in einer Stadt, die mir v?llig fremd ist, mit einem Mann, den ich nicht besonders gut kenne, in dessen vier W?nden, in denen ich auch noch nie war. W?hrend ich mir vorzustellen versuche, wie Felix wohl wohnt, wird das Kribbeln in meinem Bauch immer st?rker; fühlt sich allerdings sehr viel mehr nach Unwohlsein als nach gro?er Vorfreude an. War das wirklich so eine gute Idee, zu ihm zu fahren? Was wei? ich denn schon gro? über ihn? Was, wenn wir uns nicht verstehen? Wenn ich mich nicht wohl fühle bei ihm? Was, wenn er ein Psychopath ist? Ich schiebe die unguten Gedanken beiseite und denke stattdessen an Meg Ryan und Tom Hanks und die kitschige Schlussszene im Film. Die haben das ja schlie?lich auch hinbekommen. Ich sehe Felix vor mir, er holt mich ab, wir küssen uns am Gleis, liegen uns in den Armen. Fahren zu ihm. Ob wir diesmal miteinander schlafen werden? Cut. Realit?tscheck. Mein Zug kommt zu sp?t, mein Abholer noch sp?ter. Das ungute Bauchgefühl verst?rkt sich mit jeder Minute, die ich alleine wartend am n?chtlichen Mannheimer Bahnhof stehe. Dann steht er pl?tzlich vor mir. "Da bist du ja." Kurze Umarmung. Kurzer Smalltalk, "Wie war die Fahrt… sorry, dass ich mich versp?tet habe…" blabla. Verlegene Stimmung bei ihm, verlegene Stimmung bei mir. 

DIY – Ideen und Inspiration

Wir fahren zu ihm. Im Aufzug zu seiner Wohnung sagt er: "Fühlt sich irgendwie komisch an, dass du jetzt da bist." Ich: "Mmmh, ja." Das Unwohlsein wird st?rker. Er schlie?t die Tür auf. Seine Wohnung erweist sich als eine skurrile Mischung aus Junggesellenbude und Hippie-Behausung mit selbst gemachten Schreinerstücken – hier eine Garderobe aus Paletten und gebogenen L?ffeln, dort ein Weinregal aus alten Korken, da eine Lampenkonstruktion aus Schwemmholz und Altglas. Er pr?sentiert mir jedes Stück mit so viel Stolz und Ernst, dass ich froh bin, dass ich mein ironisches Grinsen gerade noch unterdrücken kann. Stattdessen h?re ich mich Dinge sagen wie: "Wow und das hast du echt alles selbst gemacht?", und "Sieht super aus", w?hrend ich inst?ndig hoffe, dass ich ihm niemals sagen muss, dass diese Teile in Wahrheit leider einfach unfassbar h?sslich sind. Felix geht in die Küche und macht uns einen Tee, den ich in einer Diddl-Tasse serviert bekomme. Er nippt an seiner Felix-Namens-Tasse. Ein bisschen fühlt es sich so an, als würde ich in eine Kiste spitzeln, deren Inhalt eigentlich nicht für meine Augen bestimmt war. Felix sehr privat. Schon ganz sü?. Das Bauchgefühl bessert sich. 

Romantisches übereinanderherfallen sieht irgendwie anders aus

Als er mir ein lustiges YouTube-Video zeigt und dabei meine Hand nimmt, ist die vertraute Stimmung wieder da, die ich schon bei unseren letzten Treffen gespürt hatte. Es ist schon fast Mitternacht, als er sagt, dass er morgen früh raus muss. Wir machen uns bettfertig und ich ertappe mich bei dem Gedanken, das romantisches übereinanderherfallen irgendwie anders aussieht. Egal, ich habe Lust ihn zu küssen, also mache ich das jetzt auch. Wir schlafen miteinander. Und es ist, wie soll ich sagen – schnell vorbei. So schnell, dass ich nicht wei?, ob ich es sch?n fand oder nicht. Wir liegen schweigend nebeneinander. Ich muss an meinen Ex-Freund denken und wie es sich angefühlt hat, mit einem Mann zu schlafen, den man liebt. Felix riecht ganz anders, er klingt anders, er fühlt sich anders an. Nicht wirklich fremd, aber doch sehr ungewohnt. Als ich noch darüber nachdenke, was das jetzt gerade genau war, entdecke ich eine ziemlich eindeutige Parallele zwischen meinem Ex und dem Mann, in dessen Bett und unter dessen Lampengebilde ich gerade grübelnd liege. Felix schnarcht. Das ist kein LKW mehr, das ist ein Jumbo-Jet. An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken. Warum l?uft in meiner Vorstellung eigentlich immer alles so viel romantischer ab? Gut, was hatte ich erwartet? Gro?e Gefühle? N?chtelanges Verlangen? Zumindest ein Psychopath scheint Felix schon mal nicht zu sein. Wie er wohnt, wei? ich mittlerweile auch, ich kenne seine Vorliebe für schr?ge Einrichtungsgegenst?nde und ich wei?, aus welcher Tasse er gerne trinkt. Das ist doch schon was. Ich mag ihn, keine Frage, aber insgesamt ist mein Bauchgefühl noch sehr diffus. Egal, jetzt bin ich hier und mir stehen, ob schlaflos oder nicht, noch zwei weitere N?chte in Mannheim bevor, die ich eigentlich nicht grübelnd verbringen will. Und damit lautet meine Single-Erkenntnis 038: Die Romantik-Kom?die muss erst noch geschrieben werden. 

Mehr von GLAMOUR
Weitere Artikel
男女做爰高清免费视频-骚虎视频-4虎视频