Kolumne: "Finger Weg" auf Netflix, Folge 2

Wer braucht schon ein Gehirn, wenn er wenig Kleidung hat

von Felix Reek
Für drei Minuten enthaltsam sein? Zu viel für die Kandidaten des mentalen Netflix-Tieffliegers “Finger weg!”. Bereits in Folge zwei kommt es zu Kollateralsch?den. Glücklicherweise hat einer der Misset?ter eine so simple wie geniale Begründung

Na, verehrte Leserinnen, heute schon etwas Sinnvolles getan? Den Keller entrümpelt? Die Garderobe auf Vordermann gebracht? Oder doch wieder nur die neue achte Folge von “Tiger King” gesehen und sich ge?rgert, dass da nur ein leidlich komischer US-Comedian seine frisch gebleachten Z?hne pr?sentiert? Keine Sorge, bei “Finger weg!” kann Ihnen das nicht passieren. Hier wird in jeder Folge abgeliefert. Noch einmal kurz zum Konzept: Netflix hat die jahrelangen Bestrebungen des Privatfernsehens, die Messlatte für dumm-d?mliches Fernsehen kontinuierlich dem Erdkern anzun?hern, mit einer Show zunichte gemacht, für die sich nicht einmal Paul Janke hergeben würde. “Too Hot to Handle”, eine Art Spring Break auf Steroiden, bei dem alles so schnell durchgerattert wird, dass die Betroffenen es nicht einmal mehr bei drei auf den sprichw?rtlichen Baum schaffen.

Das Problem ist nur: Sex ist verboten. Und in Folge zwei von “Finger weg!” setzt sich diese Erkenntnis schlagartig durch. Francesca ist so traurig, dass sie Harry nicht an die W?sche darf, “als w?re ihre Oma gestorben”. In aller Interesse hoffen wir, dass ihre Gro?mutter noch viele Jahre vor sich hat. Sonst müsste sich ihre Enkelin tats?chlich mal aus der Horizontalen bewegen. Doch die Not ist gro?: “Man sieht schon, wie sexuell frustriert alle sind”, jammert David. Stimmt, es sind ja auch bereits drei Minuten vergangen, bekanntlich fallen einem nach einer so langen Nichtnutzung s?mtliche Reproduktionsmittel ab. Oder man wird blind. Eines von beidem. Wer es nicht glaubt, schaut sich das betreffende YouTube-Video an. Das es bestimmt gibt. 

Sex hilft dabei herauszufinden, was man wirklich fühlt

Kelz geht die Situation analytischer an: “Stellt euch vor, Superhelden landen auf der Erde. Sie haben diese coolen Superkr?fte und pl?tzlich hei?t es: Auf diesem Planeten habt ihr keine Superkr?fte.” Okay, Moment, Superhelden, Planeten, Superkr?fte. ?h ... Was??? Da soll nochmal einer sagen, Marvel-Filme machen nicht doof. Egal, “hier z?hlt, was du im Kopf hast”, stellt Kelz fest. Weswegen die Sendung ja auch bekannterma?en “Buch weg!” hei?t. N?chste Woche dann direkt nach dem “Literarischen Quartett”.

Zu viel im Kopf zu haben kann Harry auf jeden Fall nicht passieren. Er kennt Bücher nur als viel zu dicke Unterlage von Longdrinks. Er ist jung, er hei?t wie ein Royal, ihm fallen ein paar kecke Locken in die Stirn. Was k?nnte man mehr vom Leben verlangen? Gut, einen IQ über Raumtemperatur, aber das steht hier nicht zur Debatte. Er bearbeitet schlie?lich gerade Francesca. “Ich finde, Sex hilft dabei herauszufinden, was man wirklich fühlt”, s?uselt er. Womit er genau bei der richtigen ist: Oberhalb ihres hochoptimierten Dekolletés spürt Francesca sowieso nur noch eine sanfte Brise. Sekunden sp?ter küsst er sie. Und weil man eh schon dabei ist “k?nnen wir es auch zu Ende bringen”. Doch es bleibt bei der Ankündigung.

“Keine Ahnung, was ich gesagt habe. Ich hatte Druck!”

Wenige Minuten sp?ter folgt das schlechte Gewissen. Harry schleicht sich reumütig ins Schlafzimmer der M?nner und beichtet mit einer “dreiteiligen Entschuldigung”. Es tut ihm leid. Er ist jung. Sie h?tten alle dasselbe getan. Und überhaupt: Sie hat ihn geküsst! Ein geniales Konzept! Warum hat das vorher noch niemand angewandt? Drei Floskeln und jemand anderen beschuldigen! Das ist universell einsetzbar! Moment, ich gebe ein Beispiel. “Ich war letztes Jahr im Dezember in Wuhan und habe eine leckerschmecker Fledermaus schnabuliert. Seitdem sitzen wir alle zu Hause und müssen uns diesen geistigen Sondermüll reinziehen. Aber, hey: Es tut mir leid. Ich bin jung. Ihr h?ttet alle dasselbe getan. Und wenn die Fledermaus nicht gegessen werden will, h?tte doch wohl nicht so verdammt lecker ausgesehen!” So, jetzt geht es allen doch gleich besser, oder?

Eher nicht. Die sprechende Arschrakete meldet sich - die virtuelle Moderatorin Lana. 3.000 US-Dollar kostet der Regelversto? von Harry und Francesca. Das Preisgeld sinkt somit auf 97.000 US-Dollar. “Dafür k?nnte man nach Amsterdam und …”, entf?hrt es Kelz. Womit klar w?re, wie er “Finger weg!” durchsteht. Und warum seine Augen immer aussehen, als l?gen sie gedanklich schon seit sieben Stunden im Heiabettchen. Der Rest der Belegschaft ist nicht ganz so entspannt. Er brüllt sich an, wer denn nun eigentlich den Regelversto? initiiert hat, sprich, wer wen geküsst hat. In h?chster Not gesteht Harry: “Keine Ahnung, was ich gesagt habe. Ich hatte Druck!” Eben! Jeder wei? doch, dass bei M?nnern in Notsituationen alles Blut zu den wirklich lebenswichtigen Organen abgezogen wird. Und wie soll das denn so schnell den Weg wieder zurück nach oben finden, wenn es da nur gelegentlich vorbeischaut? An Weihnachten, Ostern und vielleicht mal den Geburtstagen? Francesca zeigt trotzdem kein Verst?ndnis für die N?te ihres Gespielen. Sie schaut finster und Harry fragt sich, wie diese Romanze so schnell enden konnte. Moment, ich zitiere den Delinquenten selbst: “Ich hatte Druck!” Beweisführung abgeschlossen.  

"Wenn es passt, hat man sofort Sex"

Doch nicht alle in der Villa von “Too Hot to Handle” sind so. Da wird es doch sicher zwei geben, für die, ich traue es mich gar nicht zu sagen: die inneren Werte z?hlen. Chloe und David zum Beispiel. Aus Gro?britannien, das Land der Queen, des Understatements, der englischen Zurückhaltung. Die sollten mal ein Date haben! Ach, haben sie? Am Ende der Folge? Sensationell! Oder, David? “Drau?en trifft man jemand, und wenn es passt, hat man sofort Sex. Das ist ein vollkommen neues Terrain. Das wird schwer.” Okay, nicht ganz die Antwort, die ich mir erhofft habe, aber ich glaube an dich, David! Wir schaffen das! Zusammen! ?h, David, h?rst du mir noch zu? Ja, ich sehe, dass Chloe mit ihrem Finger in einem Schoko-Topf herumrührt. Chloe: “Macht dich das an?” “Das ist sch?n feucht.”

David, fokussieren, Augen zu mir, h?chste Konzentration! Okay, den Schokofinger darfst du kurz abschlecken. So, jetzt tief durchatmen. Denk an, ?h, G?nseblümchen! Ach, das macht dich auch scharf? Gut, jeder hat so seine Abgründe. Durchatmen, du kannst das, danach wirst du dich besser fühlen! Ich wei?, Chloe hat gerade eine Schoko-Erdbeere im Mund. Bleib bei mir! Wir Menschen sind mehr als laufende Monikas und Ring a Ding Ding Dongs!  Wir haben die Welt im Hei?luftballon umrundet! Die Ozeane überquert! Wir waren auf dem Mount Everest! Dem Mond! Nein, bei? jetzt nicht in die Erdbeere in ihrem Mund! Du hast doch gar keinen Hunger! David …! David …! DAVID!!! Chloe: “Du hast mich vollgespritzt!” Ach, David, wei?t du was? Dann eben nicht. Wer braucht schon ein Gehirn, wenn er wenig Kleidung hat.

PS: Nachschlag zu Francesca. Sie ist wirklich am Boden zerst?rt: Alle sind gegen sie, weil keiner glaubt, dass Harry sie zuerst geküsst hat. Glücklicherweise reagiert sie wie jede Lady von Format: Sie knutscht einfach mit Harley, die eine Ausnahme in ihrem “Ich stehe nur auf Frauen, die aussehen wie ich”-Schema macht. Aus Rache. Um es Harry in die Schuhe zu schieben. Wie das funktionieren soll? Das kl?ren wir in der n?chsten Woche, wenn es wieder hei?t: “Liebling, ich habe mein Gehirn geschrumpft.” ?h, “Too Hot to Handle”.

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